Darf ehrgeiziges Laufen Spass machen?
Diese Frage kann ich mit einem klaren Jain beantworten.
Aber erst einmal zu meiner Definition von ehrgeizig in diesem Sinne. Als erstes sehe ich, bezogen auf den Einzelnen, hier ein klares und auch anspruchsvolles Ziel eine Strecke x in Zeit y zu schaffen oder überhaupt eine Distanz x zu schaffen. Als zweites und unweigerlich mit ersterem verknüpft sehe ich den Weg dahin. Also grob gesagt, der Plan. Und damit meine ich keinen Plan von wegen ich laufe mal eben, sondern ein Plan der definitiv Einheiten vorsieht bei denen man genau weiß, es sind neue Herausforderungen (mehr Umfang, Bergläufe etc..) oder einfach Quäl Dich ! – Einheiten dabei. Bei meiner Betrachten möchte ich den Laufanfänger außen vor lassen, der bspw. zwecks Gewichtsreduktion jetzt jeden zweiten Tag laufen möchte und durchaus auch ein Ziel hat.
Jetzt zum: Warum die Frage?
Nun, sie beschäftigt mich. Vielleicht weil ich es falsch interpretiere aber nichtsdestotrotz habe ich mir darüber hin und wieder Gedanken gemacht. Oft meine ich zu lesen, warum diese Schinderei? Laufen soll doch Spass machen? Warum schneller, höher, weiter – damit wirst Du doch eh nie etwas erreichen?! Jammer nicht! Mach ruhig, genieße das Laufen… etc.
Ich bin versucht es ähnlich mit einer Sucht zu vergleichen. Bei der sich ein Hochgefühl einstellt und man immer neue Herausforderungen braucht oder die Messlatte immer ein Stück höher legen muss um dieses Gefühl wieder zu erleben. Dies würde ich zum Teil nicht von der Hand weisen.
Andererseits machen Quäl Dich Läufe in dem Moment keinen Spass, aber wenn man dann die Einheit geschafft hat stellt sich dennoch das warme Gefühl der Zufriedenheit ein ;-) – Und das, wenn man realistisch an die Sache herangeht, auch wenn die Messlatte höher liegt.
Hier komme ich auf mein Jain zurück. Ich will damit sagen, der Lauf selber muss nicht immer Spass machen. Das Training, oder das Laufen an sich durchaus schon.
Noch ein Punkt, an dem ich mich von der Darstellungsweise her, manchmal stoße. „Genußläufer“. Oft gern gesehen bei Läufern, die für sich dahin laufen ohne Druck. Landschaft, Natur genießen. Mir kommt es so vor, als würden diese dann das „Genußlaufen“ für sich als Privileg erheben und anderen, im Speziellen den „Ehrgeizlingen“ absprechen. Ich für meinen Teil kann nur sagen.. Ohh, da möchte ich widersprechen. Sicher genießt man nicht jeden Traininglauf. Aber wenn durch gezieltes Training Verbesserungen erreicht werden oder im Wettkampf die Konkurrenz hinter sich gelassen wird bzw. die Zeit pulverisiert – das ist durchaus Genuss – auch während des Laufs. Vielleicht einfach nur anderer Art.
Ach. Und wenn es mal nicht so klappt, darf man auch ruhig "Jammern". Es mag manchem oft zumindest so vorkommen, weil man es in diesem Medium nicht immer 1:1 herüberbringen kann. Ich sehe es vielmehr als Auseinandersetzung mit dem Problem. Ein Forum oder ein Blog sind dabei eine gute Möglichkeit sich Hilfe zu holen für den virtuellen A-tritt, wenn es mal mit der Motivation nicht so klappt, oder auch einfach Tipps und Anregungen und ganz wichtig...Zuspruch. Dann zu sagen, plag Dich doch nicht so, genieße lieber das Laufen o.ä. ... finde ich dann teils eher kontraproduktiv.
Unterm Strich:
Jeder Jeck ist anders und sollte das tun was ihm Spass macht ;-)
Vielleicht sehe ich es ja zu ernst, weil ich mich selber auch oft genug frage, ob ich zu verbissen an die Sache herangehe.
Oder?
LG
Gretel